Quo vadis Francoforte? Pars II

Pars II – Überlegungen zum Status quo der Frankfurter Stadtpolitik

Die Kommunalwahl am 15. März 2026 markiert eine Zäsur für die zukünftige Entwicklung von Frankfurt am Main. Die mathematischen Gegebenheiten reduzieren die Optionen für eine stabile Stadtregierung auf zwei ernsthafte Koalitionsmöglichkeiten.

Frankfurt wählt 2026 - Wege zur stabilen Stadtregierung
Frankfurt wählt 2026 – Wege zur stabilen Stadtregierung

Die Ausgangslage: Komplexität auf dem Stimmzettel

Die Frankfurter Stadtverordnetenwahl ist geprägt von einem außergewöhnlich großen Stimmzettel (144 x 60 cm). Trotz einer leicht gesunkenen Anzahl an Wahlvorschlägen treten 22 Listen an. Aufgrund des Fehlens einer Fünf-Prozent-Hürde reicht bereits ein Stimmenanteil von etwa 1,1 % für den Einzug in das Stadtparlament. Davon profitieren insbesondere kleinere Wählergruppen wie „Die Frankfurter“, „Frankfurt – sozial!“ oder die Satirepartei „Die Partei“.

Aktuelle Prognose und Sitzverteilung

Basierend auf der Forsa-Umfrage von Februar 2026 ergibt sich folgendes Bild für die Stadtverordnetenversammlung (93 Sitze gesamt, absolute Mehrheit bei 47 Sitzen):

  • CDU: 24 % (22 Sitze)
  • SPD: 20 % (19 Sitze)
  • Grüne: 19 % (18 Sitze)
  • Die Linke: 12 % (11 Sitze)
  • AfD: 11 % (10 Sitze)
  • Volt: 3 % (3 Sitze)
  • FDP: 3 % (3 Sitze)
  • BFF: 2 % (2 Sitze)
  • BSW: 2 % (2 Sitze)
  • Sonstige: 4 % (3 Sitze)

Realistische Koalitionsoptionen

Unter Ausschluss einer Zusammenarbeit mit der AfD sowie extremen Rändern ergeben sich zwei mathematisch und politisch relevante Szenarien:

  1. Linkes Bündnis: SPD + Grüne + Linke (48 Sitze)
  2. Große Koalition: CDU + SPD + Grüne (59 Sitze) – oder ein Zweierbündnis aus CDU und SPD unter Einbindung kleinerer Partner wie Volt oder FDP.

Parteiprofile und strategische Ziele

  • SPD: Fokus auf bezahlbaren Wohnraum, Kita-Plätze und funktionierende Infrastruktur. Ziel ist eine geräuschlose Umsetzung klar definierter Projekte.
  • Die Linke: Fordert massive Investitionen in den Wohnungsmarkt (300 Mio. Euro jährlich) und soziale Zusatzleistungen wie einen „Frankfurt-Zuschlag“ für städtische Angestellte.
  • Grüne: Priorisieren Klimaschutz, die Verkehrswende und ein Suchthilfezentrum im Bahnhofsviertel.
  • CDU: Setzt auf ein 10-Punkte-Programm für Sicherheit, Sauberkeit und die Bekämpfung von Verkehrsbelastungen durch verstärkte Polizeipräsenz.
  • Volt: Drängt auf die Digitalisierung der Verwaltung („Digitaler Zwilling“) und europäische Best-Practice-Lösungen für die Stadtplanung.
  • FDP: Positioniert sich nach dem Bruch der vorherigen Koalition als Kraft für wirtschaftliche Vernunft und lehnt ideologische Blockaden ab.

Analyse der Wirtschaftskraft und Infrastruktur

Frankfurt am Main verzeichnet stabile Gewerbesteuereinnahmen zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro bei einem Hebesatz von 460 %. Kritisch zu betrachten ist die hohe Konzentration (über 60 %) auf den Finanzsektor. Obwohl Frankfurt ein führender Standort für Rechenzentren ist, bleibt deren direkter Beitrag zur kommunalen Gewerbesteuer aufgrund bundesweiter Verteilungsschlüssel gering. Hier besteht operativer Handlungsbedarf: Die Stadt muss den Vorteil des Internetknotens DE-CIX nutzen und Genehmigungsverfahren stärker an lokale Wertschöpfungsfaktoren koppeln.

Fazit und Empfehlung

Die Stadtverwaltung benötigt eine Führung, die strategische Weitsicht mit operativer Tatkraft verbindet. Das Potenzial des Duos aus Oberbürgermeister Mike Josef und Planungsdezernent Marcus Gwechenberger ist vorhanden, erfordert jedoch eine stabile politische Basis.

Ein Bündnis aus SPD und CDU könnte die notwendige Stabilität bieten, um Kernprobleme wie Wohnraummangel, Sicherheit und Sauberkeit, ohne die Reibungsverluste kleinteiliger Koalitionsverhandlungen zu lösen. Frankfurt hat die Chance, durch pragmatische Zusammenarbeit ein Modell für eine effektive Metropolenverwaltung zu werden.