Quo vadis Francoforte?

Pars I – Prima cogitatio timida de statu praesentiuo vadis Francoforte – oder wohin wollen wir eigentlich?

Frankfurt am Main, den 22. Februar 2026 von Andreas Rust

Demografie, Wirtschaft, Arbeitsmarkt

Frankfurt am Main wächst – und zwar nicht zaghaft, sondern mit ordentlich Tempo. Mitte 2025 lebten rund 778.600 Menschen hier, fast sieben Prozent mehr als 2016. Und die Kurve zeigt weiter nach oben: Bis 2028 soll die 800.000‑Marke fallen, langfristig steuert die Stadt auf über 843.000 Einwohner zu. Doch wo viele Menschen sind, fehlen irgendwann die Fachkräfte. Ein Regionaldossier rechnet bis 2028 mit einem Mangel von rund 11.500 qualifizierten Arbeitskräften.

Zwischen etwa 1840 und heute ist die Einwohnerzahl von Frankfurt am Main von rund 55.000 auf knapp 780.000 Menschen gewachsen.

Grobe Entwicklung in Etappen

  • Um 1840: etwa 54.000–56.000 Einwohner in der Freien Stadt Frankfurt am Main.
  • 1875: erstmals über 100.000 Einwohner (Beginn der Großstadtphase durch Industrialisierung).
  • 1895: etwa 230.000 Einwohner.
  • 1905: rund 335.000 Einwohner.
  • 1925: etwa 467.000 Einwohner; mit Eingemeindungen 1928 Sprung auf gut 550.000.
  • 1963: vorläufiger Höchststand mit rund 691.000 Einwohnern.
  • 1986: Rückgang auf etwa 592.000 Einwohner durch Suburbanisierung.
  • Seit 2000: erneutes Wachstum, 2019 erstmals über 750.000 Einwohner.

Zwischen 1840 und heute hat sich die Einwohnerzahl von Frankfurt am Main von gut 55.000 auf knapp 780.000 Menschen mehr als ver‑, ja beinahe ver‑14‑facht – mit starken Wachstumsschüben in der Industrialisierung um 1900, einem Höchststand in den 1960er Jahren, einem Rückgang bis Mitte der 1980er und einem dynamischen Wiederanstieg seit den 2000er Jahren.

Frankfurt am Main bleibt also ein Magnet für Unternehmen und Talente, kämpft aber gleichzeitig mit wachstumsbedingtem Druck auf Wohnraum, Infrastruktur und Arbeitsmarkt.

Stadtentwicklung und „Frankfurt Green City“

Unter dem Label „Frankfurt Green City“ hat die Stadt eine große Vision ausgerollt: nachhaltiger, grüner, sozialer – und das Ganze eingebettet in die 2026 beschlossene Strategie „Frankfurt 2030+“. Darin geht es um klimaneutrale Mobilität, energieeffizientes Bauen, mehr Grün, soziale Teilhabe und ein kluges Flächenmanagement. Klingt ambitioniert – und ist es auch. Denn Frankfurt am Main wächst weiter, muss nachverdichten, gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schaffen und bestehende Quartiere schützen. Der Baulandpotenzialplan „Wohnen 2025“ zeigt, wo größere Projekte möglich sind. Politik und IHK mahnen jedoch: Ohne ein integriertes Gesamtkonzept droht die Stadt an ihrem eigenen Wachstum zu ersticken. Immerhin: Der Haushalt 2026 stellt Mittel bereit, um Planung, Infrastruktur und Transformation voranzutreiben.

Wohnen und Immobilienmarkt

Der Wohnungsmarkt bleibt angespannt – auch wenn die Preiskurve nicht mehr ganz so steil nach oben zeigt. Die Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen ist durch die „Umwandlungserschwernis“ stark gebremst, und gleichzeitig bleiben Mieten in guten Lagen hoch. Zuwanderung, niedriger Leerstand und der Attraktivität von Frankfurt am Main halten den Druck auf dem Markt stabil. Experten erwarten keine neue Preisexplosion, aber auch keine echte Entspannung für Mieter. Besonders kritisch: Für 2025/26 rechnet die Stadt nur mit etwa 600 neuen Sozialwohnungen und 500 Einheiten für mittlere Einkommen – viel zu wenig, um spürbar zu entlasten. Politisch prallen zwei Lager aufeinander: mehr Regulierung und sozialer Wohnungsbau versus mehr Neubau, Nachverdichtung und Eigentumsförderung. Die Stadt versucht, beides zu verbinden – doch der Bedarf wächst schneller als die Lösungen.

Innenstadt: Attraktivität, Handel, Sauberkeit

Die Innenstadt ist wichtig – aber sie verliert an Glanz. Laut „Vitale Innenstädte 2024“ kommen 36% der Menschen seltener in die City. Gründe: Staus, Verkehr, Parkkosten und ein nicht immer gutes Sicherheitsgefühl. Besonders auswärtige Besucher schrecken hohe Parkgebühren und schlechte Erreichbarkeit ab. Auch beim Stadtbild gibt es Kritik: Viele empfinden die Innenstadt als „ziemlich schmutzig“. Die Stadt reagiert mit mehr Personal und strengeren Kontrollen. Wirtschaftsvertreter warnen jedoch: Ohne bessere Aufenthaltsqualität drohen weitere Leerstände – und das wäre Gift für Handel und Gastronomie.

Bahnhofsviertel, Drogen, Sicherheit

Das Bahnhofsviertel von Frankfurt am Main ist und bleibt den härtesten Problemraum. Offener Drogenkonsum, Kriminalität und Verwahrlosung prägen das Bild – belastend für Anwohner, Gewerbe und Reisende. Die Landesregierung hat 2025 einen 7‑Punkte‑Plan gestartet, doch die Lage bleibt schwierig. Ein neues Suchthilfezentrum für Crack-Abhängige soll 2027 eröffnen und niedrigschwellige Angebote bündeln – von Konsumräumen über Hygiene bis medizinisch‑psychiatrischer Versorgung. Rund 250 schwer abhängige Menschen bewegen sich aktuell in der offenen Szene. Das Projekt ist umstritten: Während Sozialverbände es als notwendig sehen, warnen andere vor einer „Sogwirkung“. Wirtschaft und Politik fordern zudem konsequentere Maßnahmen gegen offenen Drogenhandel und eine stärkere Fokussierung auf Frankfurter Bedürftige.

Haushalt, Infrastruktur und langfristige Herausforderungen

Der Haushalt 2026 profitiert von steigenden Einnahmen und setzt Schwerpunkte bei sozialer Infrastruktur, Stadtentwicklung und Klimaschutz. Gleichzeitig wächst der Investitionsdruck: Verkehr, Schulen, Kitas, Digitalisierung – überall besteht hoher Bedarf. Frankfurt muss mehrere Großbaustellen gleichzeitig stemmen:

  • zu wenig Wohnraum bei zu hohen Mieten
  • Verdichtung unter Klimaschutzauflagen
  • eine Innenstadt, die wieder attraktiver werden muss
  • die Sicherheitslage im Bahnhofsviertel
  • Sauberkeit und Sicherheit in der gesamten Stadt
  • Fachkräftemangel trotz starker Wirtschaft

Gesamtbild: Status Frankfurt 2026

Frankfurt am Main2026 ist eine Stadt voller Energie, Ambitionen und internationaler Strahlkraft – aber auch voller Herausforderungen, die im Alltag spürbar sind. Strategisch setzt die Stadt auf Nachhaltigkeit, soziale Balance und integrierte Entwicklung. Operativ jedoch geraten Wohnen, Innenstadt und Bahnhofsviertel immer wieder zum Stresstest. Ob Frankfurt am Main den Spagat zwischen Wachstum, Sicherheit, sozialem Ausgleich und Klimapolitik schafft, hängt weniger von Konzepten ab als von Tempo und Konsequenz der Umsetzung.